Interview mit Alexandra Muhm

Alexandra Muhm lebt und arbeitet in Wien, wenn sie nicht gerade kleine, feine Yoga-Retreats in Bad Gastein führt. Sie hat eine bodenständige, entspannte Art und unterrichtet feinfühliges, achtsames Yoga. Im September ist sie wieder im Miramonte. Deshalb möchten wir sie Euch einmal vorstellen…

Liebe Alex, was bedeutet für Dich Yoga? 

Für mich bedeutet Yoga „Die Stille des Geistes“. Frieden schließen, sich frei machen von den Dingen, in denen das Denken steckenbleibt. Und vor allem: Diesen Weg nicht nur intellektuell zu gehen,  sondern mit dem ganzen Körper. Das ist meine Ausrichtung und mein Verständnis von Yoga, und darin lebt meine Erfahrung.

Was ist Dein Rat an jemanden, der mit Yoga beginnen möchte?

Unbedingt auf sein Herz zu hören, seiner Intuition zu vertrauen. Vielleicht auch mal verschiedene Yogaklassen zu besuchen, bis der ganze Körper „JA“ sagt: zum Lehrer, zu dem was unterrichtet wird, zur Stimmung, zum Unterrichtsraum. Wenn das innere noch sagt „hm, ich weiß nicht, ob das das richtige für mich ist“, dann gibt es Widerstand. Sich diesem Widerstand zu widmen kann schon Teil des Prozesses sein. Aber den Yogaweg mit einem anstrengenden Kampf zu beginnen, finde ich nicht ratsam.

Warum Bad Gastein?

Das kann ich rational nicht so richtig beantworten. Und ich weiss, so geht es vielen, die Bad Gastein  kennen und lieben gelernt haben. Der Ort hat etwas magnetisches für mich, seit ich vor etwa 12 Jahren das erste mal hier gelandet bin.

Ich unterrichte so wahnsinnig gerne hier, weil der Spirit im Haus Hirt & Miramonte, wo meine Retreats meist stattfinden, so fein ist. Ich schätze die Qualität des Essens und wie auf die Wünsche meiner Schüler eingegangen wird. Ausserdem habe ich nie das Gefühl, Hotelgast zu sein, sondern fühle mich aufgehoben, wie im eigenen Wohnzimer und gleichzeitig ist Rückzug gut möglich. Ich genieße es, mit der Bahn anreisen zu können und vom Hotel weg die Wandertouren starten zu können.

Und das passt natürlich gut zusammen mit Yoga… Wie siehst du die Entwicklung des Yoga?

Aufgrund der Tatsache, dass sich die westlichen Gesellschaften durch soziale Medien und den kapitalistischen Leistungsdruck noch weiter zu beschleunigen scheinen, ist die menschliche Suche nach Langsamkeit und Ausgleich ein logischer, anhaltender Trend. Yoga holt die Menschen da anscheinend gut ab, wie der Yogaboom der letzten Jahre zeigt. Der Trend wird anhalten, denke ich, wiewohl ich den dazugehörigen  Yoga-Konsum-Wachstumsmarkt – auch im Ausbildungsbereich – kritisch sehe.

Welcher Yoga-Stil oder Lehrer hat Dich am meisten geprägt?

Es gab immer wieder Menschen , die meine eigene Praxis wie auch meinen Unterrichtsstil beeinflusst haben, die wunderbare Vermittler und Impulsgeber waren. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jede Lehrer-Schüler Beziehung Teil des persönlichen Entwicklungsprozesses  ist – auf beiden Seiten.

Zu Beginn waren das bei mir noch sehr körperorientierte Stile wie Iyengar- und Jivamukti Yoga, Michael Forbes und Elisa Bruni  in München waren da am prägendsten für mich. Im Laufe der Zeit und einhergehend mit meiner persönlichen Entwicklung ist der Ruf nach fließender und stiller Praxis stärker geworden. Den meditativen Aspekt habe ich im Daoismus und Stillen Qi Gong bei Michael Reisenhofer vor 10 Jahren für mich entdeckt, wo ich knapp 10 Jahre auch tief in heilkundliche Ebenen vordringen durfte.

Sehr prägend war auch eine Begegnung mit Menaka Desikachar während eines Vedic Chanting Workshops in Frankfurt, seit dem ich das Tönen und Mantren rezitieren auch im Unterricht integriere – eine wunderbare Brücke vom Körper zum Geist.

Nathalie Delay (u.a.Vertreterin des Tantrismus und kaschmirischen Shivaismus), ist seit einigen Jahren eine meiner wichtigen Impulsgeberinnen.

Du benennst deinen Unterricht „Meditative Körperarbeit“. Was bedeutet das genau?

Seit etwa 3 Jahren unterrichte ich einen Stil, der sich nicht mehr einer bestimmten Yogarichtung zuordnen lässt. Es ist ein Spiegel meines eigenen Weges, den ich gehen darf, und der sich einfach organisch entwickelt.  Ich nenne es „Meditative Körperarbeit“: Denn der Hauptaspekt, an dem ich im Unterricht arbeite, ist die Stille des Geistes.

Es  finden sich schon Aspekte aus dem Hatha-Yoga, allerdings sehr, sehr reduziert.  Ich nutze das Wissen um Asana und Pranayama, um den Körper auf die Stille im Stehen oder Sitzen vorzubereiten. Und ich gebe den Schülern Impulse, wie sie leer werden können – körperlich und mental, und sich nicht zu sehr auf die Form fokussieren.  Diese „formlose“ Raum-Erfahrung, die so ähnlich auch im Stillen Qi Gong und Tantrismus unterrichtet wird, kann weit über das Körperliche hinausgehen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Es ist ein Unterschied, ob ich ein Asana „nur“ körperlich übe oder ihm einen leeren Raum zur Verfügung stelle. Ich lade immer wieder ein, kein Konzept aus Yoga zu machen, keinem Dogma verhaftet zu sein, sondern auszuprobieren, wach zu bleiben für die Erfahrungen, die das Leben einem bietet.

Die Praxis, die ich vermittle, endet nicht nach einer 90-minütigen Übungseinheit. Yoga und Asana vollzieht sich immer im jetzt.  Es ist der Alltag, wo wir die Chance haben, das Erlernte einzusetzen. In Kontakt zu sein mit den körperlichen Empfindungen, den Emotionen, Gedanken und Wahrnehmungen. In jedem Moment. Und letztendlich frei zu werden von inneren Blockaden; und den Raum zu öffnen für Gelassenheit, Weite und Stille.

Vielen Dank!

>> Yoga Retreat mit Alex Muhm

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