Leben statt denken

Im Yoga geht es darum, Klarheit zu bekommen. Man betrachtet eine Situation, eine Asana, einen Atemzug ganz genau, um mehr zu erfahren, mehr zu sehen, mehr zu verstehen. Mehr, als um die äußere Form, geht es um die eigene Wahrnehmung. 

Dafür nehmen wir uns heutzutage im Alltag oft viel zu wenig Zeit. Wir hasten von einem Termin zum nächsten, in der Regel mehr mit der äußeren Form beschäftigt, als zu überlegen, wie es sich anfühlt.

Die Süddeutsche Zeitung Magazin fragt heute auf Facebook: „Leben statt denken: Kennen Sie diese Sehnsucht?“ Ich glaube wir kennen sie alle.

Leben statt denken. Alles wird analysiert, überlegt, rationalisiert. Es bleibt keine Zeit, mal etwas einfach sein zu lassen, nicht zu bewerten. Es bleibt keine Zeit, Dinge auf sich zukommen zu lassen.

Und doch gibt es so viele verschiedene Wege, mehr ins Leben zu kommen.

Bewegung:

Ob es Yoga ist, Wandern oder eine andere Form von Sport – den Körper zu fühlen, bis ins kleinste Detail, weckt die Aufmerksamkeit und den Sinn für das eigene Sein. Man bekommt eine körperliche Referenz, wie man sich fühlt. Nicht umsonst gibt es die Theorie des Embodiment, die einen Zusammenhang zwischen Körper und Geist herstellt und sogar soweit geht, dass wir mit dem Körper fühlen wie im Geist.

Schmecken:

Als Geniesser möchte ich niemals auf die Gaumenfreuden wie Schokolade, Tee, reife Mangos oder einen guten Rum verzichten. Alles, was mit Liebe zum Detail und Achtsamkeit zubereitet wird – man schmeckt es. Raffinierte Kombinationen versetzen einen in den Zustand des Zuhörens, der Neugierde. Die Gedanken haben Pause, es wird ruhig und man lauscht nur noch dem Wunder. Und das weckt unsere Sinne um so mehr.

Sehen und Riechen:

Nichts verbinde ich so mit den Wanderungen im Gasteinertal, wie den Ausblicken ins Tal und der frischen Luft in der Nase. Ein tiefer Atemzug auf dem Gipfel lässt alle Anspannung von einem Abfallen. Der Kopf wird frei. Und auf einmal ist Platz da für den Duft der Zirben und Fichten. Auf einmal sieht man das Panorama genauso wie das Gras, das sich im Wind bewegt und das Moos auf dem Stein. Man ist ganz im Moment, vollständig im Leben.

Um diese Wahrnehmung zu finden, die wir ja auch in der Yoga Praxis auf der Matte suchen, müssen wir als allererstes zuhören. Mit allen unseren Sinnen. Wie fühlt sich Bewegung im Körper an? Und auf einmal entsteht ein Flow, von innen heraus, unvorhersehbar, unkontrollierbar harmonisch.

Im Gasteinertal kommt alles zusammen. Hier kann man die Gedanken los und sich selbst einfach treiben lassen. Genau darum geht es bei meinem Retreat im September. Diese Aufmerksamkeit, diese Wahrnehmung zu kultivieren und die Sinne wieder zu erwecken. Und darüber eine neue Welt zu entdecken. Zu leben. Und zu erleben.

 

Auszeit : 16.-23. September im Hotel Miramonte