Sthira und Sukha oder von Wolken und Wurzeln

Eines meiner Lieblingszitate am Anfang einer Yogastunde ist: „we need roots in order to rise“. Oder anders ausgedrückt, als Yogaschüler darf man sich wie ein Sandwich fühlen, angenehm eingequetscht zwischen Wolken und Wurzeln, zwischen Himmel und Erde. Yoga in Bad Gastein mit Blick auf die majestätisch im Boden verankerten Berge verkörpert genau dieses Ur-Prinzip, im Yoga genannt Sthira und Sukha. 

Was ist Sthira und warum brauchen wir es für eine gesunde Yogapraxis?

Sthira ist ein Wort aus dem Sanskrit, und wird übersetzt mit: „hart, fest, stabil, straff, reißfest, widerstandsfähig, dauerhaft, ausdauernd, bleibend, unbeweglich, feststehend, keinem Zweifel unterworfen.“ Wenn man die vielen Worte dann auf die Matte trägt, versteht man unter Sthira die Erdung in jeder Haltung. Jede asana sollte von Grund auf stabil ausgerichtet sein. Nehmen wir als Beispiel die beliebten Krieger Haltungen. Ein stabiler, stolzer Krieger wird bei den Füßen aufgebaut, vor allem will die Außenkante des hinteren Fußes gut geerdet sein und die Füße sollten energetisch zueinander streben. Auch die Beine dürfen fest, stabil und straff dastehen, und vor allem sollte das vordere Knie beim Krieger ganz gerade, teleskopartig nach vorne ausgerichtet sein um Verletzungen der Minisken vorzubeugen. Wie tief dann die Oberschenkel sinken, ist weniger essentiell, als das die Basis, die Wurzeln in die Erde stimmen. Das Element Sthira geht bis zum Bauchnabel, das heißt natürlich spielt „die stabile Mitte“, also ein „keinem Zweifel unterworfener“ Bauch eine Rolle, der die Haltung straff tragen darf. Und dann? Was sollte dann passieren, damit aus dem Yoga Krieger kein bleierner Soldat wird?

Was ist Sukha und warum macht es Spaß?

Wenn der Yoga Krieger einmal stabil steht, kommt Sukha ins Spiel, das übersetzt wird mit: „Angenehm, behaglich, freudvoll, wohlig, glücklich, glückselig, leicht, spielerisch.“ Wenn man auch diese lieblichen Worte wieder auf die Matte überträgt und sich den bis zum Bauchnabel stabil aufgebauten Krieger betrachtet, fängt nun der Spaß an. Sprich alle Körperregionen oberhalb des Bauchnabels, insbesondere Schultern, Nacken, Fingerspitzen und nicht zuletzt Gesichtszüge und Mundwinkel dürfen sich wohl fühlen und dem Krieger einen strahlenden, freudigen Ausdruck verleihen. Natürlich sollten die Arme immer noch in gerader Linie sein und der Blick zielgerichtet über den vorderen Zeigefinger gehen, aber in der inneren Haltung darf vom Bauchnabel aufwärts Freude herrschen. Die Schulterblätter dürfen am Rücken nach unten schmelzen, der Nacken darf wohlig entspannen und der Blick friedvoll und vergnügt nach vorne gerichtet sein. Und wenn das dann im wohligen Yogaraum vom Haus Hirt mit Blick durch das große Fenster auf Berge und Wolken stattfindet, darf man von Glückseligkeit sprechen.

Der Tanz von Sthira mit Sukha

Unterm Strich lässt sich sagen, dass es für eine gesunde Yogapraxis beides braucht. Die Wurzeln und die Wolken, die Erde und den Himmel, die Berge und den Boden. Und das nur aus der Symbiose von dem bodenständigen Sthira mit dem leichtfüßigen Sukha eine dauerhaft gesunde Yogapraxis entsteht. Oder wie der Urvater des heutigen Yoga – Patanjali- vor über zweitausend Jahren in einem seiner Sutren 2.46 schrieb: sthira – sukham- asanam. Jede Haltung, angefangen beim Schneidersitz sollte stabil und leicht zugleich sein.

 

Alexandra Kleinheinrich

Wenn ihr den Tanz mit den Elementen üben wollt, seid ihr bei Alexandra Kleinheinrich genau richtig. Alexandra unterrichtet gut ausgerichtetes Vinyasa Flow Yoga im Spirit Yoga Stil mit Herz und Seele. Dabei geht es in ihren Stunden mal kraftvoll, mal tänzerischen fließend und abends auch gerne restorativ und meditativ zu. Alexandra ist unter anderem ausgebildet in Somatic Yoga, einer gefühlvollen, innovativen Methode, einer Art Yin Yoga in Bewegung. Alexandras Stunden sind „präzise, unprätentiös, sehr schön in Art und Sprache und gekennzeichnet von besonderer Zuwendung an jeden einzelnen Schüler.“ Wenn sie gerade nicht im Haus Hirt unterrichtet, arbeitet Alexandra Kleinheinrich als Senior Teacher bei Spirit Yoga Berlin und schreibt für Yoga aktuell, Yoga Journal und YogaEasy. Das nächste Mal in Bad Gastein ist Alexandra Kleinheinrich vom 3. bis zum 10. September und dann wieder in der zweiten Märzwoche 2018.

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  1. […] anregen, wie es hier wohl zu anderen Zeiten ausgesehen haben mag. Für den anderen sind es die Berggipfel, die erklommen werden möchten oder wie Kaiser Wilhelm wohl die Promenade entlang flaniert ist. Bei […]

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